Die sogenannte Gegenwart

Die sogenannte Gegenwart

Der Feuilleton-Podcast

Was bringt uns der Respekt, wenn wir nichts verdienen?

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Ein neuer politischer Trendbegriff geht um: Klassismus. Er meint die Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft – in Analogie zum Rassismus als Diskriminierung aufgrund der Hautfarbe oder Sexismus als Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Klassismus kann heißen: Man unterstellt Armen, sie seien zu faul zum Arbeiten. Oder es geht um Habitus-Fragen im Sinne der Bordieu'schen Soziologie: Fehlen Studierenden aus Arbeiterfamilien an den Universitäten wichtige social skills, die für eine akademische Karriere mehr als nur hilfreich sind?

Ijoma Mangold und Lars Weisbrod diskutieren den Begriff und fragen: Ist Klassismus nur Klassenkampf für Softies? Was hilft Habitus? Ist die Umverteilung des Kapitals nicht die schlagkräftigere Strategie, wenn es um die Verbesserung der Lebensverhältnisse geht? Die beiden Podcast-Hosts sprechen über die Klassenanalyse in den Werken Balzacs, die Unterschichtenverachtung im Privatfernsehen. Was heißt es für die Klassismus-Debatte, wenn Multimillionär Robert Geiss mit seinem Kreditkartenvolumen prahlt? Und leben wir wirklich alle schon im Postmaterialismus – oder sind nur diejenigen von uns Postmaterialisten, die sich das auch leisten können?

Weitere Links zur Folge:

- “Kapitalismus global” von Branko Milanović
(https://www.zeit.de/2020/42/kapitalismus-global-branko-milanovic-buch-volkswirtschaft)

- “Rückkehr nach Reims” von Didier Eribon:
(https://www.suhrkamp.de/buecher/rueckkehr_nach_reims-didier_eribon_7252.html)

- Klassismus: Du gehörst nicht dazu!
(https://www.zeit.de/gesellschaft/2021-02/klassismus-soziale-gruppen-soziologie-literatur-gesellschaft)

- Klassismus: Völker, hört die coolen Wörter!
(https://www.zeit.de/2021/09/klassismus-diskriminierung-soziale-herkunft-gesellschaft)

Liegt die Zukunft auf dem Land?

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Spätestens seit der Corona-Pandemie heißt es, die Städte verlören an Attraktivität. Die hohen Mieten machen selbst der Mittelschicht zu schaffen, Familien können sich den Platz, den sie brauchen, kaum mehr leisten – erst recht nicht, wenn die Kita zu hat und Mama und Papa aus dem Homeoffice arbeiten.

In der neuen Folge des Feuilleton-Podcasts geht es um die große Gegenwartsfrage: Warum ziehen wir nicht alle aufs Land? Oder in die Provinz? Weil es da noch keinen guten Flat White gibt? Oder weil man die Infrastruktur in weiten Regionen kaputtgespart hat?

Der ZEIT-Redakteur Ijoma Mangold erzählt von seiner neuen Heimat in der Uckermark und wie sehr er das ganz andere Leben dort lieben gelernt hat. Sein Podcast-Kollege Lars Weisbrod erklärt, warum die Zukunft des Gangsta-Raps nicht in Berlin, sondern in Bietigheim-Bissingen liegt. Zu ländlich-idyllisch wird es aber auch diesmal nicht: Am Ende entbrennt ein Streit über Sinn und Unsinn des Mietendeckels.

**Weitere Links zur Sendung:**

Shindy - Bietigheim Sunshine
https://www.youtube.com/watch?v=8bVBzhaEneY

Roman "Unterleuten": Jedes Dorf ist eine Welt
https://www.zeit.de/2016/13/unterleuten-juli-zeh-roman

Endlich wieder Streit über Geschmack

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Ein neues Buch des Schriftstellers Christian Kracht schlägt immer ein – auch diesmal feiern Kritiker seinen Roman "Eurotrash". Beworben wird er als Fortsetzung der Geschichte, die Kracht 1995 in "Faserland" erzählte. Die Hauptfigur des Buches heißt Christian Kracht, der Schriftsteller reist zusammen mit seiner schwerkranken Mutter ein letztes Mal durch die Schweiz. Zwischendurch wird in Rückblicken die Familiengeschichte durchleuchtet: Die einen waren Nazis, die anderen peinliche Parvenüs, und der Erzähler wird erdrückt von der schweren Last der Vergangenheit. Behauptet er zumindest, seine Mutter nimmt ihm diese Opferrolle nicht ab – sie trinkt Wodka zum Frühstück und erklärt dem Sohn, er solle nicht so jammern, sondern lieber mal ein gutes Buch schreiben so wie Flaubert oder so.

Wie gut ist also das Buch "Eurotrash"? Ijoma Mangold ist fasziniert von Krachts neuem Roman, der seiner Meinung nach unsere Gegenwartsdiskurse in allen ihren schillernden Facetten einfängt: Vergangenheitsbewältigung wird hier gleichzeitig geleistet und persifliert als leere moralische Geste. Für Lars Weisbrod hingegen ist das Buch eine Enttäuschung – so wenig Stilbewusstsein, Sinn für elegante Komposition und Humor sind ihm bisher noch in keinem Kracht-Buch begegnet.

Zusammen blicken die beiden Feuilleton-Redakteure zurück auf das Werk von Christian Kracht, sie diskutierten sich von "Faserland" bis in die Gegenwart. Am Ende stehen sie vor der großen Frage: Was ist in dem Buch jetzt ironisch gemeint und was nicht? Und kann man eigentlich zu einem objektiven Urteil kommen über ein Kunstwerk – oder ist alles immer nur relativ?

Weitere Informationen:
Los geht’s ins Jenseits von Gut und Böse
https://www.zeit.de/2021/10/eurotrash-christian-kracht-roman-nazi-familie

Thema Christian Kracht
https://www.zeit.de/thema/christian-kracht

"Faserland"-Autor gibt sein Archiv nach Marbach
https://www.zeit.de/kultur/literatur/2019-10/christian-kracht-deutsches-literaturarchiv-marbach-schriftsteller

Hauptsache, was mit Hitler
https://www.zeit.de/2021/10/aufmerksamkeitsoekonomie-nazi-holocaust-vergleiche-kz

Weltrettung als Event

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Kann man durch den Support der Followerinnen und Follower alles durchsetzen, wovon progressive junge Menschen träumen? Die Joyn-Serie "Unfck the World" erzählt von einer neuen Form der Social-Media-Bürgerbeteiligung.

Der Plan dieser neuen Form des Aktivismus war so: Zwei junge Berliner Start-upper und Social Entrepreneurs, die sehr erfolgreich ihre vegane Kondom-Marke Einhorn am Markt platziert hatten, dachten sich: Wie können wir unsere Follower-Power nutzen, um Druck auf die Politik zu machen, damit Plastik endlich verboten, Innenstädte autofrei und auf jedes Dach ein Solar-Panel kommt? So entstand die Idee zu "Unfck the World". Sie wollten via Crowdfunding das Berliner Olympiastadion für einen Tag mieten. Wenn es gelang, Tickets im Wert von 1,8 Millionen Euro zu verkaufen, dann könnte man sich das Stadion sichern und ein Programm ausarbeiten: 70.000 Menschen im Olympiastadion mobilisieren, die im Gleichtakt mit ihren Smartphones Resolutionen zu allen drängenden Fragen der Welt hochladen, sodass der Bundestag sich damit befassen muss.

Weil die beiden Start-upper über gute Kontakte verfügen, war bald ein dichtes Netz aus Promis mit am Start, von Luisa Neubauer bis Charlotte Roche, die das Crowdfunding unterstützten. Und tatsächlich kamen die 1,8 Millionen Euro zusammen, dann allerdings kam Corona ... Doch schon vorher hatte es heftigen Gegenwind gegeben: Allzu naiv, kritisierte zum Beispiel Jan Böhmermann, sei diese Eventisierung von Politik, in der auch nie Inhalte diskutiert, sondern immer nur Gemeinschaftsgefühl zelebriert wird.

Lars Weisbrod und Ijoma Mangold diskutieren in der neuen Folge "Die sogenannte Gegenwart" über den soziologisch dichten Einblick in dieses Aktivisten-Milieu und fragen, ob es überhaupt eine Alternative zur Eventisierung von Politik gibt.

Weitere Informationen:
Sie wollen die Weltrettung verkaufen
https://www.zeit.de/die-antwort/2019-11/olympiastadion-berlin-einhorn-kondome-buergerversammlung-crowdfunding

Wie können wir das Klima retten, Greta Thunberg?
https://www.zeit.de/video/2021-02/6228378225001/greta-thunberg-und-luisa-neubauer-wie-koennen-wir-das-klima-retten-greta-thunberg

Warten auf den Wendler
https://www.zeit.de/kultur/film/2020-11/jan-boehmermann-zdf-magazin-royale-show-hauptprogramm

"Es ist das erste Mal, dass ich so etwas Privates mache"
https://www.zeit.de/kultur/2019-06/charlotte-roche-paardiologie-podcast-beziehungen-privatsphaere

Thema Start-up
https://www.zeit.de/thema/start-up

Den Kapitalismus mit seinen eigenen Mitteln schlagen

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Es war eine junge Generation von Nerds, die in der Corona-Zeit eine neue Beschäftigung für sich entdeckte: Im Lockdown kann man ja nicht nur Netflix bingen, sondern auch mit Aktien zocken. Und zwar über den Billig-Broker Robin Hood, der das Börseninvestieren zu demokratisieren versprach, indem er die Ordergebühren abschaffte.

Auf dem Internet-Forum Wallstreetbets von Reddit tauschten sie sich über ihre Investment-Ideen aus und entdeckten ihre nostalgische Liebe zu dem stationären Computerspiele-Händler Gamestop, dessen Aktienkurs seit langem absoff. Und so verknüpften sich zum ersten Mal zwei Dynamiken, die zwar ähnlichen nicht-linearen Gesetzen folgen, aber bisher nicht zusammen auftraten: Das virale Social Media und das Herden-Verhalten an der Börse. Zusammen waren sie Dynamit. Der Aktienkurs von Gamestop schoss durch die Decke und einige Hedgefonds, die auf den Untergang von Gamestop gewettet hatten, wurden fast in den Bankrott getrieben.

David gegen Goliath? Ein neues Occupy Wallstreet, nur diesmal mit den Mitteln des Marktes? Und wird jetzt die Popkultur mit ihren süffigen Narrativen zu einem wichtigen Player des Börsengeschehens? Darüber und über "Guh", den Laut, den eine Seele beim Verlassen eines Körpers macht, reden Lars Weisbrod und Ijoma Mangold in der neuesten Folge des Podcasts Die sogenannte Gegenwart.

Weitere Informationen:
Wir haben über die beiden Filme “The Dark Knight” und “The Dark Knight Rises” gesprochen, beide von Christopher Nolan.

Außerdem über das Buch “The Big Short” von Michael Lewis und die Verfilmung des Buches aus dem Jahr 2015.

Und hier ist das Video von dem erwähnten reddit-User, der gerade 50.000 Dollar verliert: https://www.youtube.com/watch?v=d80ahvRSV8E

Der Joker geht von Bord
https://www.zeit.de/2021/06/gamestop-aktie-wallstreet-hedgefonds-kapitalismus-marxismus-kulturkampf

Investoren unterstützen Robinhood mit 3,4 Milliarden US-Dollar
https://www.zeit.de/wirtschaft/2021-02/trading-app-robinhood-investoren-gamestop-hedgefonds-wallstreetbets-kleinanleger

Ausgehyped
https://www.zeit.de/digital/internet/2021-02/gamestop-aktie-hedgefonds-kleinanleger-reddit-wall-street-bets-reddit

Als Sex noch Spaß gemacht hat

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Die heißeste Popkultur-Nachricht des noch jungen Jahres macht uns endlich mal wieder Hoffnung: Der amerikanische Sender HBO plant eine Fortsetzung seiner, und hier passt das Wort ausnahmsweise mal, Kultserie "Sex and the City". Wir erinnern uns: Von 1998 bis 2004 verfolgten Millionen von Zuschauerinnen und Zuschauern auf der ganzen Welt, wie die vier Mittdreißiger-Frauen Carrie, Miranda, Samantha und Charlotte ihr Singleleben in New York City bestritten – es ging um Frauenfreundschaft, Sex, Männer, Mode und die Frage, wie viel romantische Zweierbeziehung überhaupt noch sein muss. Die Serie erzählte von all dem in einem Ton, den man zuvor im Fernsehen nicht kannte: Tabus wurden gebrochen, böse Witze wurden gerissen, Protagonistinnen waren nicht mehr strahlende Heldinnen – das new golden age of television begann.

Die Ankündigung der Fortsetzung lässt das Feuilleton-Herz unserer beiden Podcasts-Hosts jetzt wieder höher schlagen wie sonst nur ein romantisches Abendessen mit Mr. Big. Denn natürlich wollen Ijoma Mangold und Lars Weisbrod wissen: Passt "Sex and the City" noch in unsere Gegenwart? Oder fällt die Serie, wie jetzt schon zu lesen war, inzwischen unten durch, weil sie den aktuellen feministischen und politischen Standards gar nicht mehr gerecht wird?

Die beiden ZEIT-Redakteure haben sich in die alten Folgen gestürzt und sind wieder aufgetaucht mit sehr viel Nostalgie im Bauch, ein paar Erkenntnissen und noch mehr Fragen: Sind sie bloß verknallt in Carrie Bradshaw oder wollen sie sein wie diese Frau, die, gespielt von Sarah Jessica Parker, unsere ganze Gegenwart in wenigen Gesten auf den Punkt bringen konnte? Was ist aus der Stadt von damals geworden, seit sich keiner mehr die Mieten leisten kann? Und ist Sex heute überhaupt noch zeitgemäß? Darüber und über vieles mehr sprechen wir in der neuen Folge von "Die sogenannte Gegenwart".

Weitere Informationen:

Die sechs Staffeln von “Sex and the City” sind bei unter anderem bei Sky zu sehen
https://www.werstreamt.es/serie/details/232797/sex-and-the-city/

Außerdem sprechen wir kurz über den ersten Film “Sex and the City: The Movie” https://www.werstreamt.es/film/details/12455/sex-and-the-city-der-film/ (den zweiten Teil verschweigen wir lieber)

Das Buch der Fernsehkritikern Emily Nussbaum heißt “I like to watch”, ihren Artikel über “Sex and the City” findet man auch hier im Netz:
https://www.newyorker.com/magazine/2013/07/29/difficult-women

Das Buch von Peter Praschl über “Sex and the City” ist erschienen bei Diaphanes: https://www.diaphanes.net/titel/sex-and-the-city-1892

Ihren Slogan “Make kin, not babies” erklärt die Feministin Donna Haraway in ihrem Buch “Unruhig bleiben”: https://www.zeit.de/2018/26/donna-haraway-biologin-feministin-familie-tiere-technik

Wir weinen dem Verbrenner eine Träne nach

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Das Auto macht’s nicht mehr lange. Bald kommt die Mobilitätswende, und dann gehört die Zukunft den Fahrrädern und Fußgängern. Und selbst wenn hier und da noch ein Personenkraftwagen herumfahren wird – sicher wird es kein Verbrenner in Privatbesitz sein, sondern ein leise surrendes E-Auto, das ganz in das Mobilitätskonzept einer Carsharing-Plattform integriert ist.

So oder so ähnlich stellen sich das die Verkehrsvisionäre vor, und in der neuen Folge des Feuilleton-Podcasts "Die sogenannte Gegenwart" fragen Ijoma Mangold und Lars Weisbrod: Was erzählen uns unsere Autos noch über unsere Welt, jetzt wo ihre Zeit fast abgelaufen zu sein scheint? Und welche neuen soziologischen Metaphern und ästhetischen Inszenierungen wird das Elektroauto hervorbringen?

Es geht um den Image-Wandel des Volvo-Fahrers vom Sozialdemokraten hin zum Urban-Country-Individualisten und um das ewige Streitthema SUV: Wie konnte ausgerechnet der Geländewagen zum Statussymbol werden und zur meistverkauften Wagenklasse überhaupt? Warum sieht man eigentlich keine flinken kleinen Roadster mehr? Und was bedeutet es, dass Elektroautos im Straßenverkehr seltsam künstliche Geräusche von sich geben müssen, die an Walgesang erinnern? Das alles und noch mehr diskutieren die beiden ZEIT-Redakteure und Podcast-Hosts. Ein melancholischer Abschiedsgruß aus dem Feuilleton an die Welt der Verbrennermotoren – und ein hoffnungsvoller Blick ins neue Zeitalter der supercoolen Elektro-Autos.

Weitere Informationen:
Die Philosophin Amia Srinivasan über Tintenfische
https://www.lrb.co.uk/the-paper/v39/n17/amia-srinivasan/the-sucker-the-sucker

Dan Alberts Buch “Are We There Yet? The American Automobile Past, Present, and Driverless”
https://www.genialokal.de/Produkt/Dan-Albert/Are-We-There-Yet-The-American-Automobile-Past-Present-and-Driverless_lid_42408930.html?storeID=giesing

Elektroauto, Diesel oder Wasserstoff - Womit stoppen wir die Klimakrise?
https://www.youtube.com/watch?v=WBqNS0nQzPY

Der ultimative Christencheck

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Kurz vor Weihnachten widmen sich Ijoma Mangold und Lars Weisbrod noch mal den ganz großen Fragen: Wie sieht’s heute eigentlich aus mit der christlichen Religion? Spielt die in der Gegenwart noch eine Rolle? Wie hat sich das Reden über katholische Amtskirche, Jesus und Theologie verändert? Und ist christlicher Glaube heute ein Distinktionsmerkmal für Dandys, die sonst alles schon ausprobiert haben?

Die beiden ZEIT-Redakteure diskutieren im Feuilletonpodcast über ihre Lieblingsstellen aus der Bibel und ihre Kindheitserinnerungen an Krippenspiel und Erstkommunion. Sie unterziehen sich dem Christencheck: Wie ging noch mal das Vaterunser? Und das Ave Maria? Oder gar das Glaubensbekenntnis? Und sie sprechen im Feuilletonpodcast unter anderem über Emmanuel Carrères faszinierendes Buch "Das Reich Gottes", in dem der französische Schriftsteller seine eigene religiöse Phase reflektiert.

Weitere Informationen:
Auf Weihnachten zu verzichten ist ein Privileg
https://www.zeit.de/campus/2020-12/familienbesuch-lockdown-corona-weihnachten-alter-pflege-einsamkeit

Wie kommen wir zur Besinnung?
https://www.zeit.de/2020/53/weihnachtszeit-corona-lockdown-stress-stille-besinnung

Lügner, Mörder, Satan
https://www.zeit.de/2018/48/der-widersacher-roman-emmanuel-carrere-moerder-monsieur-romand

Intervallfasten und Pilze

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Hübsche Menschen, die im Kreis sitzen, lächeln, in Tränen ausbrechen und danach überwältigt in die Kamera stammeln: "Ich verschmolz mit dem Mond!" oder "Ich fühle mich wie neugeboren!" – so kann man in der Netflix-Serie "The Goop Lab" von und mit Hollywood-Schauspielerin Gwyneth Paltrow dabei zusehen, wie sie und ihre Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen extreme Therapieformen an sich selbst ausprobieren.

Auf Jamaika werfen sie unter Therapeutenaufsicht Pilze ein, im Lake Tahoe geht es mit einem Trainer für Kältetherapie zum Eisbaden bei 7 Grad Celsius, es werden krasse Diäten befolgt, Energiemassagen durchgeführt und eine Orgasmus-Expertin lehrt, wie Frauen den eigenen Körper lieben lernen können.Das Tolle dabei: Ganz egal, welche Heilungsmethode hier ausprobiert wird, sie funktioniert und ist als einmaliges überwältigendes Erweckungserlebnis mehr wert als jahrelanges, konventionelles und vor allem mühsames Abarbeiten an der eigenen Psyche in einer klassischen Gesprächstherapie oder Psychoanalyse.

Ijoma Mangold und Nina Pauer widmen sich in der zwölften Episode des Feuilleton-Podcasts der Frage danach, was das jeweils aktuelle Sprechen über Heilungsmethoden in Gesellschaften über die Gegenwart aussagt. Wann ist Yoga eigentlich so gähnend alltäglich geworden? Warum sind heute alle hypersensibel? Was erzählen Moden wie Astrologie oder die Amazonas-Droge Ayahuasca über unseren kollektiven Seelenzustand? Passt Intervallfasten zu Sternenkunde? Und worauf hoffen wir eigentlich, wenn wir permanent die ganz große Heilung suchen, aber gleichzeitig immer schön die Kontrolle behalten wollen?

Mehr zum Thema auf ZEIT ONLINE:

Gottlos glücklich
https://www.zeit.de/2020/29/yoga-glaube-kirche-tradition-ersatz-spiritualitaet

Wer glaubt denn so was?
https://www.zeit.de/2020/37/astrologie-sternzeichen-bedeutung-sterne-wissenschaft-esoterik

Vom Feuer und vom Fieber
https://www.zeit.de/kultur/2019-09/amazonas-regenwald-waldbraende-indigene-bevoelkerung-natur

"Ich hatte Spiritualität völlig missverstanden"
https://www.zeit.de/zeit-wissen/2019/06/psychedelischer-rausch-drogen-spiritualitaet-ich-aufloesung

Kolonialisierte Praxis
https://www.zeit.de/kultur/2019-09/yoga-geschichte-historie-sport-achtsamkeit-spiritualitaet

Selbstoptimierung in Pastell
https://www.zeit.de/kultur/film/2020-01/the-goop-lab-gwyneth-paltrow-netflix

Warum muss Gwyneth immer "Wow" sagen?
https://www.zeit.de/2020/07/the-goop-lab-gwyneth-paltrow-kritik

Schluss mit lustig

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Das Land ist gespalten, die Polarisierung ist das Problem – wenn über Amerika gesprochen oder geschrieben wird, ist diese Diagnose schnell gestellt. Gleichzeitig stiegen in den letzten Jahren amerikanische Komiker zu den neuen "Public Intellectuals" auf, linksliberale politische Satire-Shows wie "Last Week Tonight" mit John Oliver oder die "Daily Show" wurden als Goldstandard der Comedy gefeiert – auch in Deutschland, wo das Publikum amerikanische Politik vermittelt bekam von Late-Night-Moderatoren und Comedians.

Lässt sich aus der neuen Rolle der Comedians etwas lernen über die Polarisierung des Landes? In der neuen Ausgabe des Feuilleton-Podcasts "Die sogenannte Gegenwart" blicken Ijoma Mangold und Lars Weisbrod zurück und versuchen anhand von Stand-Up-Auftritten und Fernseh-Gags zu rekonstruieren, wie Amerika dort hingekommen ist, wo es jetzt steht. Die beiden ZEIT-Redakteure sprechen über das tragische Vermächtnis des Komikers Jon Stewart, der als Vater der zeitgenössischen Aufklärungssatire gilt; sie diskutieren darüber, ob Obama der beste Stand-Up-Komiker von allen war und sie fragen sich: Wer steht diesen Unterhaltungshelden auf der rechten Seite gegenüber? Sind Fox-News-Kommentatoren die Komiker für die andere Hälfte Amerikas? Oder kann die Stand-Up-Comedy noch Brücken schlagen zwischen den Lagern? Und wie geht es jetzt weiter für die US-Satiriker? Oder könnte in Zukunft eine andere Berufsgruppe die Rolle als Public Intellectuals übernehmen?

Links und Quellen:

- Der Komiker Jon Stewart als Gast in der CNN-Show “Crossfire” 2004: https://youtu.be/aFQFB5YpDZE?t=366

- Der Komiker Stephen Colbert beim “White House Correspondents' Dinner” 2006: https://youtu.be/IJ-a2KeyCAY?t=52

- Barack Obama beim “White House Correspondents' Dinner” 2011: https://www.youtube.com/watch?v=n9mzJhvC-8E

- Jerry Seinfeld besucht Barack Obama im Weißen Haus in “Comedians in Car getting Coffee”: https://www.youtube.com/watch?v=t2waK7x8yWY

- Louis CK “Of course, but maybe”: https://www.youtube.com/watch?v=XLGzFQg_1xc

- Dave Chappelle äußert sich kritisch zur MeToo-Bewegung unter anderem in seinem Programm “Sticks & Stones”, abrufbar bei Netflix

- Real Time with Bill Maher: https://de.wikipedia.org/wiki/Real_Time_with_Bill_Maher

Über diesen Podcast

Was verraten Netflix-Kochshows über unsere Gesellschaft? Ist woke das neue narzisstisch? Und warum trinken jetzt eigentlich alle Ingwershots? Wir sprechen über Phänomene, die unsere Gegenwart ausmachen – die ZEIT-Feuilleton-Redakteure Nina Pauer, Ijoma Mangold, Lars Weisbrod und Apples Sprachassistentin Siri begleiten die Hörerinnen und Hörer durch die Jetztzeit.

Dieser Podcast wird produziert von Pool Artists.

von und mit ZEIT ONLINE

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